Säure-Basen-Ausgleich

Ein natürliches Säure-Basen-Verhältnis trägt wesentlich dazu bei, dass Körper und Geist reibungslos funktionieren. Jede Verschiebung dieses Gleichgewichts kann eine Gefährdung der Gesundheit und ein erhöhtes Risiko für psychische und organische Störungen bewirken.

Was passiert bei einer Übersäuerung

Die vermehrte Säurebelastung führt zunächst zu einer so genannten latenten Azidose. Hierunter wird ein Zustand bezeichnet, bei dem die basischen Pufferreserven im Blut schon teilweise verbraucht wurden, es aber noch nicht zu einer pH-Veränderung gekommen ist. Bei zahlreichen Patienten mit chronischen Erkrankungen kann eine solche Abnahme der Basen-Puffer-Reserven festgestellt werden, wie z. B. durch chronische Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Nervosität, häufige Erkältungen, Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie Rheuma.

Biochemischer Hintergrund

Das Säure-Basen-Gleichgewicht kann im Körper durch mehrere Systeme reguliert werden: der Gasaustausch in den Lungen, die Pufferkapazität des Blutes und die Ausscheidungsmechanismen über den Schweiss und die Niere.

Im Blut liegt der pH-Wert optimalerweise zwischen 7,35 und 7,45. Bei einer unphysiologisch hohen Säureflut stoßen die körpereigenen Puffersysteme an ihre Grenzen. Die Säureausscheidung ist behindert, saure Stoffwechselprodukte lagern sich im Bindegewebe ab, was zu einer Übersäuerung des gesamten Organismus führen kann.

Wie äußert sich eine chronische Übersäuerung?

Schnelle Ermüdbarkeit, allgemein verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit
Kälte der Hände und Füße, schnelles Frieren
Kopfschmerzen
Appetitmangel, Sodbrennen, Übelkeit
Gesteigerte Infektanfälligkeit
Reizbarkeit, Nervosität

Säuren und Basen im Körper

Um ein gesundes Gleichgewicht zu bewahren, benötigen wir basisch wirkende Stoffe, die die Säuren neutralisieren. Gleichzeitig schleusen wir über die Lungen (Atemluft), Nieren (Urin) sowie über die Haut (Schweiß) Säuren aus dem Körper.

Stehen allerdings nicht genug Basen zur Neutralisierung zur Verfügung bzw. kommen die Systeme nicht mit der Ausscheidung hinterher, muss unser Körper die Säuren anderweitig aus dem Weg räumen – sie werden dann im Bindegewebe abgelagert. Fällt der Blut-pH-Wert unter den Normbereich, spricht man von einer Azidose. Umgangssprachlich wird auch häufig der Begriff chronische Übersäuerung (latente Azidose) verwendet. Eine akute Azidose mit pH-Werten von unter 7,15 ist lebensbedrohlich und muss in jedem Fall medizinisch behandelt werden.
Aussagekräftige Werte über unseren Säure-Basen-Haushalt finden sich in unserem Blut: Liegt der Blut-pH unter 7,35 ist unser Säure-Basen-Status im sauren Bereich. Dagegen liefern pH-Teststreifen, die den pH-Wert im Urin messen, weniger aussagekräftige Werte. Der Grund: Unser pH-Wert im Urin liegt ohnehin im leicht sauren Bereich und ist aus medizinischer Sicht völlig normal.

Der menschliche Organismus verfügt über ein ausgeklügeltes Puffersystem – aber es ist nicht unerschöpflich. Überwiegen über lange Zeit die sauren Umstände, geraten wir in eine latente Übersäuerung. Diesen Zustand bemerken wir erst einmal nicht. Besteht die Übersäuerung aber über längere Zeit, kann sie die Funktionsweise des Bindegewebes und auch anderer Organe beeinträchtigen.

Doch ein gesunder, ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ist kein Hexenwerk. Hat man erst einmal die Grundprinzipien dieser Wechselwirkungen verinnerlicht, kann jeder täglich etwas für seinen Säure-Basen-Haushalt und gegen eine mögliche Übersäuerung tun:

1. Basische Lebensmittel bevorzugen

Ob ein Nahrungsmittel im Körper sauer oder basisch reagiert, hat erst einmal nichts mit seinem Geschmack zu tun. So wirkt nämlich sogar extrem säuerlich schmeckendes wie Zitronen oder Johannisbeeren im Körper basisch. Während Lebensmittel wie Laugenbrezeln, die geschmacklich eher an Seife (Basen) erinnern, säurebildend reagieren.

Mit einer gesunden Ernährung können Sie Störungen im Säure-Basen-Haushalt entgegenwirken und wieder ins Gleichgewicht bringen. Für die basische Wirkung sind hauptsächlich Verbindungen aus basischen Mineralstoffen und organischen Säuren verantwortlich. Mineralstoffreiche pflanzliche Produkte wie Kräuter, Gemüse, Obst und Kartoffeln sind darum besonders stark basenbildend. 70-80 Prozent Ihrer Mahlzeiten sollten aus basischen Lebensmitteln bestehen.

2. Säure-Bildner in der Ernährung reduzieren

Während mineralstoffreiche Lebensmittel positiv auf den Säure-Basen-Haushalt wirken, sorgen proteinreiche Nahrungsmittel für eine vermehrte Säure-Produktion. Säurebildner sind demnach vor allem tierische Produkte wie Fleisch, Wurst, Fisch und Käse. Aber auch pflanzliche Eiweiß-Lieferanten gehören auf diese Seite der Liste, so zum Beispiel Getreide und Hülsenfrüchte. Säurebildende Lebensmittel dürfen aber problemlos 20-30 Prozent Ihrer Mahlzeiten stellen. Verschiebt sich allerdings das Verhältnis zu sehr zugunsten der Säurebildner, droht eine chronische Übersäuerung.

3. Atmen Sie!

Die Lunge ist das mengenmäßig bedeutendste Organ für die Säure-Ausscheidung (Kohlensäure-Bicarbonat-System). In Form von Kohlendioxid atmen wir den ganzen Tag über große Mengen an Säuren aus, die im Stoffwechsel ganz natürlich entstehen. Je intensiver wir atmen, desto größer sind auch die Kapazitäten dieses Systems. Darum ist regelmäßige Bewegung, am besten leichtes Ausdauertraining an der frischen Luft, elementar zur Regulierung des Säure-Basen-Haushaltes. Aber auch Atemübungen, die die Tiefe der Atemzüge intensivieren, sind zu empfehlen.

4. Die Leber pflegen und unterstützen

Auch die Leber ist ein wichtiges Organ um das Säure-Basen-Gleichgewicht zu erhalten. So sorgt sie beispielsweise dafür, dass das Blut im richtigen pH-Wert bleibt. Dazu „mischt“ sie Säuren und Basen im richtigen Verhältnis und schleust Überschüssiges weiter in die Niere zur Ausscheidung.

Am besten unterstützen Sie die Leber bei ihrer Arbeit, indem Sie sie schonen! Leberbelastend ist natürlich Alkohol, aber auch viele Medikamente wie Schmerzmittel und Entzündungshemmer müssen durch die Leber abgebaut werden.

Bitterstoffe aus Obst, Gemüse und Kräutern wirken dagegen positiv auf die Lebergesundheit. Man findet sie in Artischocken, Grapefruits und vielen Wildkräutern.

5. Weißmehl, Zucker und Alkohol vermeiden

Obwohl alle Getreideprodukte sauer wirken, ist von Lebensmitteln aus Weißmehl im Besonderen abzuraten.

Ebenfalls mit leeren Kalorien – und das nicht zu knapp – kommt der Zucker daher. Zucker selbst reagiert im Körper zwar neutral, also weder basisch noch sauer. Doch da ein erhöhter Blutzuckerspiegel mit einer geringeren Säureausscheidung einher geht, trägt der Zuckerkonsum indirekt zur Übersäuerung bei.

Ganz ähnlich verhält es sich auch mit Alkohol. Alkohol wird von der Leber abgebaut und mit viel Flüssigkeit ausgeschieden – das hat Priorität für unseren Organismus, schließlich ist Alkohol ein Gift und soll schnellstmöglich beseitigt werden. So blockiert der Alkohol die Säureausscheidung über Leber und Niere, wirkt damit negativ auf den Säure-Basen-Haushalt und fördert die Übersäuerung.

6. Kommen Sie ins Schwitzen!

Die Haut als unser größtes Organ und größter Kontaktpunkt zur Außenwelt ist natürlich auch am Säure-Basen-Stoffwechsel beteiligt. Vor allem über den Schweiß kann unser Körper überschüssige Säuren bequem loswerden. Auch darum ist Sport bzw. regelmäßige Bewegung sinnvoll. Saunabesuche wirken ebenfalls entsäuernd und ab und an kann auch ein sogenanntes Basenbad sinnvoll sein.

7. Nicht sauer werden: Stress abbauen!

Stress, vor allem dauerhafter, chronischer Stress, kann ebenfalls eine Ursache der Übersäuerung sein. Denn die Stress-Hormone Cortisol und Adrenalin sorgen dafür, dass der normale Stoffwechsel ins Schlingern gerät. Die Verdauung wird gedrosselt, Leber und Nieren arbeiten nur noch eingeschränkt und sogar die Atmung leidet unter dem dauerhaften Stress. Der Grund: Bei chronischer Belastung wird die Atmung zwar schneller, aber auch flacher. Der Stoffaustausch von Kohlendioxyd und Sauerstoff wird weniger effektiv und damit auch die Ausscheidung der überschüssigen Säuren. Was Sie gegen den Stress tun können? Das erfahren Sie in unserem Beitrag „Stress abbauen: 10 Tipps wie Sie besser mit Stress umgehen“

Basische Ernährung

Eine rein basische Ernährung kann unter Umständen – wenn sie sehr vielseitig und sorgfältig zusammengestellt wird – dauerhaft praktiziert werden.
Da dies aber so viel Enthusiasmus, Zeit und Konsequenz erfordert, wie es bei den wenigsten Menschen anzutreffen ist, empfehlen wir die basische Ernährung lediglich für einen überschaubaren Zeitraum, der zur Entgiftung und Ausleitung von Stoffwechselrückständen genutzt wird.
Im Anschluss daran kann dauerhaft und mit großartigem Erfolg die basenüberschüssige Ernährung praktiziert werden.
Bei basenüberschüssig ist alles möglich: low carb, vegan, mit Fleisch, roh oder gekocht.
Die basenüberschüssige Ernährung kann nach den persönlichen Vorlieben sehr stark variiert werden. Wer beispielsweise Kohlenhydrate reduzieren möchte, kommt bei der basenüberschüssigen Ernährung voll auf seine Kosten, da die hauptsächlichen Kohlenhydratlieferanten – nämlich Back- und Teigwaren – zu den schlechten Säurebildnern gehören und daher automatisch gemieden werden. Die erlaubten 20 Prozent aus guten säurebildenden Lebensmitteln können dann mit Gerichten aus Nüssen und/oder hochwertigen tierischen Produkten aus biologischer Weidehaltung gestaltet werden.
Wer die vegane Lebensweise favorisiert, hat mit der basenüberschüssigen Ernährung verständlicherweise keine Probleme und kann hier bei den zur Verfügung stehenden pflanzlichen Lebensmitteln aus dem Vollen schöpfen.
Die basenüberschüssige Ernährungsweise kann ferner ganz normal, also zum großen Teil gekocht, verzehrt und mit einem gewissen Rohkostanteil lediglich ergänzt werden. Sie kann aber auch problemlos als reine Rohkosternährung gestaltet werden, wobei auch hier wieder alle Richtungen (vegan oder vegetarisch) möglich sind.